Morgentour bei Timmdorf am 12. Juni
Geschrieben am 13.06.2022 in Kanutagebuch (2022) — Behler-See, Großer-Plöner-See, Holsteinische-Seenplatte, Schleswig-Holstein-paddeln, Schwentine (Geändert am 25.07.2022)

vor Sonnenaufgang am Langensee
Etwa gegen halb Vier öffne ich meine Augen und bin sofort hellwach. Ich habe im Bus geschlafen, und nun bin ich am See und kann sofort lospaddeln, ohne Auto fahren zu müssen.

Früh morgens auf dem Langensee: bei Timmdorf
Ganz leise habe ich meinen Morgenkaffee gemacht und mich ausgerüstet. Ebenso leise versuche ich, mein Kanu ins Wasser zu bringen und mich selbst ins Kanu.
Um mich herum singen Amsel, einige Rohrsänger, Rotkehlchen und Singdrossel sowie auch eine Mönchsgrasmücke. Mein langsames Gleiten erzeugt nur ein leises Gluckern, und die Gänse in der Bucht interessiert das zum Glück nicht.
Ich bin zum richtigen Zeitpunkt hier: gerade, als ich einige Paddelschläge vorwärts bin, beginnt die aufgehende Sonne ihre Strahlen durch das Gehölz zu senden. Nur wenige Sekunden später taucht sie ein ordentliches Stück der spiegelglatten Wasseroberfläche in gleißendes Licht!
Sonnenaufgang auf dem Langsee
Ich paddle tendenziell am linken Ufer entlang. Eine Bewegung erregt meine Aufmerksamkeit: ein Eisvogel sitzt auf einem langen, kräftigen Ast, der übers Ufer weit hinaus ragt und ihm sicher einen perfekten Ansitz bietet. Zum Glück ist er nicht scheu oder ich bin ihm weit genug entfernt, jedenfalls bleibt er zu meiner Freude einfach sitzen!
Ich paddle weiter auf die Halbinsel am Jugendlager Adlerhorst zu, als links an mir zwei Eisvögel vorbei zischen und hinter dem Gehölz an der Ecke verschwinden. Womöglich sind es Geschwister! Im Sommer habe ich schon mehrfach kleine Eisvogel-Trupps gesehen, bis zu vier, und daher denke ich, es können eigentlich nur Geschwister sein.
Auf dem Behler See bei Adlerhorst / Timmdorf
Ich wende mein Kanu allmählich nach links und bin auf dem Behler See. In Ufernähe bleibend, arbeite ich mich langsam vorwärts in Richtung Plön. Die Temperatur steigt, ich lege etwas von der warmen Kleidung ab, die mir am kühlen Morgen noch gute Dienste geleistet hat.
Bis ich das Ende des Höftsees erreiche, lausche ich weiterhin dem Morgengesang der Vögel. Die zwei Kilometer kommen mir dabei sehr kurzweilig vor, obwohl ich nur langsam paddle.
Es ist fast sechs Uhr, als ich am Schwimmsteg der Umtragestelle Ölmühle anlege, um mein Kanu auf die Rollenbahn zu ziehen. Währenddessen schmettert ein Zaunkönig seine extrem lauten Rufe durch den angrenzenden kleinen Wald an der linken Seite der Rollenbahn. Damit übertönt er das Plätschern der Sohlgleite mühelos, die hier als Aufstiegshilfe für Fische und Kleinlebewesen vor etwa 17 Jahren angelegt wurde und ein Klappenwehr mir einer sehr unhandlichen Gleislore ersetzte.
Rollenbahn bei der Ölmühle
Das Umsetzen ist ein Kinderspiel, und so sitze ich schnell wieder in meinem Kanu. Ich bin jetzt auf dem Abschnitt der Schwentine, der vom Höftsee aus zum Großen Plöner See führt. Einige größere Fische ziehen vorbei, dann auch kleinere. Noch immer habe ich keine Menschenseele getroffen, und es sind bisher auch erst sehr wenig Fahrzeuge auf der nahen Durchgangsstraße ( B76) unterwegs.
Rollenbahn bei der Umsetzstelle Ölmühle: an der Schwentine
Schwentine bei der Ölmühle Plön
Mit sehr wenig Strömung lasse ich mich die Schwentine abwärts treiben. Unter der Straßenbrücke der B 76 ist es recht flach, aber das ist hier normal und funktioniert gerade eben noch.
Bald erreiche ich den Großen Plöner See. Dort ist es recht windig, und es gibt etwas Wellengang. Ich möchte nur ein kleines Stück auf den See hinaus. An der Marineschule komme ich gerade noch vorbei, dann wird es mir zu viel mit dem Wind. Ich wende und paddle zur Einmündung der Schwentine (hier bei Fegetasche) zurück.
Großer Plöner See: Blick auf den Ruhlebener Warder
Als ich wieder in der Schwentine bin, steht auf dem kurz gemähten Rasen des ersten teuren Grundstücks rechts ein Reh und schaut mich mit großen Augen ganz aus der Nähe an. Es ist vielleicht 8 Meter von mir entfernt. Als ich langsam zur Kamera greife, verschwindet es lautlos im nahen, angrenzenden Unterholz.

Schwentine bei der Kreisjägerschaft Plön: mit neuem Schwimmsteg
Bald paddle ich wieder durch die sehr schöne Schwentine zur Umtragestelle Ölmühle hoch. Mitten auf der Rollenbahn angekommen, muss ich mal kurz in die Büsche und mache mit zwei Leinen mein Kanu fest. Zu meiner Freude ruft (oder singt?) hier gerade eine Klappergrasmücke. Es hört sich an, als würde sie die Tonfolge einer Maschine kopieren. Sie gehört zu den klassischen Vögeln, die im Sommer oft zu hören sind, sofern man darauf achtet.

Kanu mitten auf der Rollenbahn: bei der Umsetzstelle Ölmühle
Meine Pause ist kurz, und bald ist mein Kanu wieder startklar und ich sitze drin. Für eine richtige Pause habe ich mir die Bank an der Engstelle ausgesucht, an der der Höftsee in den Behler See übergeht. Hier kann ich bestens anlegen und aussteigen und es gibt schönen Halbschatten unter hohen Buchen.
Ich stärke mich an Müsli und Weintrauben mit Milch. Ich kann gar nicht glauben, dass es erst 7:37 Uhr ist, aber naja, Start war ja gegen fünf. Ich erlebe es oft so, dass ich auf dem Wasser mein Zeitgefühl komplett verliere.

Pause am Ende des Höftsees vor dem Behler See
Ich sitze nach dem Essen noch eine Weile mit meinem Paddelkissen auf der Bank. Die Sonne wärmt jetzt bereits ganz gut, und Wind ist nicht mein Thema, da er aus West weht und der See damit recht gut geschützt liegt. Gestärkt paddle ich nun etwas forscher, auch damit mich das Verdauungskoma nicht erwischt. Bewegung und etwas Anstrengung hilft da recht gut. Es ist mittlerweile 8:14 Uhr geworden, meine Pause hat also eine halbe Stunde gedauert..
auf dem Behler See in Richtung Timmdorf
Für eine gute Dreiviertelstunde bin ich nun auf dem Behler See unterwegs, und ich möchte die Insel "Großes Warder" umrunden, die den Behler See vom Langensee trennt. Am flachen Ufer sind einige kleine Vögel zu erkennen, die emsig nach Futter suchend hin- und herrennen. Ich denke, es sind Bachstelzen, so wie sie sich bewegen.
rund um die Insel Großes Warder
Zurück im Langen See
Geissblatt in Blüte am Ufer des Langensees

Unterwasserflora im Langensee: mit Seerosenblättern
Zurück an der Einsetzstelle am Langensee
Kanu auf dem Busdach
Ich genieße noch für eine Weile meine schöne Kanutour, erfreue mich am Duft des blühenden Jelängerjeliebers (Geissblatt) am rechten Ufer und erreiche langsam meine Einsetzstelle. Bis ich alles zum Bus getragen, meine Ausrüstung eingeladen und das Kanu sicher auf dem Autodach befestigt habe, ist es bereits halb elf. Ich fahre mit sehr schönen Gefühlen nach Hause. Etwas Besseres hätte ich an diesem schönen Wochenende kaum unternehmen können!
Geschrieben in Kanutagebuch (2022)